Anschlussfinanzierung: Was passiert, wenn die Zinsbindung ausläuft
Das Ende der Zinsbindung ist für viele Immobilieneigentümer ein kritischer Moment. Wer rechtzeitig plant, wechselt zu besseren Konditionen. Wer zu spät reagiert, nimmt was die Bank anbietet.
Was nach der Zinsbindung passiert
Läuft Ihre Zinsbindung aus, endet die vertragliche Zinsfestschreibung. Ihr Kredit ist aber meist noch nicht vollständig abgezahlt — die verbleibende Restschuld muss zu neuen Konditionen weiterfinanziert werden.
Viele Banken senden 3 Monate vor Ablauf automatisch ein Prolongationsangebot. Wer dieses annimmt, ohne zu vergleichen, zahlt in der Regel zu viel. Der Wechsel zu einer günstigeren Bank (Umschuldung) ist meist die bessere Option.
Ihre drei Optionen
Prolongation
Verlängerung bei der bestehenden Bank zu neuen Konditionen
- ✓Kein Aufwand — Bank macht ein Angebot
- ✓Kein Notar erforderlich
- ✓Schnelle Abwicklung
- ✗Oft teurer als Marktkonditionen
- ✗Kein Verhandlungsdruck für die Bank
- ✗Häufig standardisierte Angebote
Umschuldung
Wechsel zu einer anderen Bank mit günstigeren Konditionen
- ✓Meist günstigerer Zinssatz als Prolongation
- ✓Voller Wettbewerb unter Banken
- ✓Flexibilität bei Konditionen
- ✗Kosten für Grundschuldabtretung (~0,3 % der Summe)
- ✗Etwas Aufwand (Unterlagen, neuer Antrag)
- ✗Bonitätsprüfung notwendig
Forward-Darlehen
Zins heute sichern, Auszahlung erst in 1–3 Jahren wenn Zinsbindung ausläuft
- ✓Schutz vor steigenden Zinsen
- ✓Planungssicherheit
- ✓Zeitgewinn für Verhandlungen
- ✗Aufschlag von 0,02–0,03 % pro Monat Vorlauf
- ✗Sinnlos wenn Zinsen sinken
- ✗Bindung ohne Flexibilität
Restschuld bei Anschlussfinanzierung
Was bleibt übrig? 300.000 € Kredit, 3,5 % Zins, verschiedene Tilgungssätze
| Zeitpunkt | 1 % Tilgung | 2 % Tilgung | 3 % Tilgung |
|---|---|---|---|
| Start | 300.000 € | 300.000 € | 300.000 € |
| Nach 10 Jahren | ~278.000 € | ~255.000 € | ~225.000 € |
| Nach 15 Jahren | ~261.000 € | ~217.000 € | ~183.000 € |
| Nach 20 Jahren | ~240.000 € | ~175.000 € | ~100.000 € |
Das Zinsänderungsrisiko konkret
Rechenbeispiel: Finanziert 2015 bei 1,5 %, Anschluss 2025 bei 3,5 %
Das entspricht einer Mehrbelastung von fast 5.800 € pro Jahr — dauerhaft, bis zur nächsten Zinsbindung.
Forward-Darlehen: Zins heute sichern
Ein Forward-Darlehen erlaubt es, den heutigen Zinssatz für eine Anschlussfinanzierung zu sichern, die erst in 12–36 Monaten beginnt. Banken erheben dafür einen Aufschlag von ca. 0,02–0,03 % pro Monat Vorlauf.
Rechenbeispiel Forward-Darlehen
Aktueller Zins: 3,5 % — Forward-Darlehen in 24 Monaten: 3,5 % + (24 × 0,025 %) = ca. 4,1 %. Wenn Markterwartung in 2 Jahren bei 4,5–5 % liegt, lohnt sich das Forward-Darlehen deutlich.
Vorsicht: Forward-Darlehen ist bindend. Wenn Zinsen wider Erwarten sinken, zahlen Sie trotzdem den gesicherten Satz.
24-Monats-Checkliste vor der Anschlussfinanzierung
24 Monate vorher
- ☐Restschuld exakt berechnen
- ☐Konditionen des Erstdarlehens prüfen
- ☐Marktüberblick verschaffen (Vergleichsportale)
- ☐Forward-Darlehen prüfen falls Zinsen steigen
18 Monate vorher
- ☐Erste konkrete Angebote einholen (mind. 3 Banken)
- ☐Bonität prüfen (Schufa-Selbstauskunft)
- ☐Eigenkapital für eventuelle Teilrückzahlung prüfen
- ☐Forward-Darlehen abschließen wenn attraktiv
12 Monate vorher
- ☐Prolongationsangebot der Hausbank anfordern
- ☐Umschuldungsangebote eingeholt und verglichen
- ☐Notarkosten bei Umschuldung einkalkulieren
- ☐Entscheidung: Prolongation oder Umschuldung
6 Monate vorher
- ☐Neuen Darlehensvertrag unterschreiben
- ☐Bei Umschuldung: Grundschuldabtretung veranlassen
- ☐Alten Kredit fristgerecht kündigen (falls nötig)
- ☐Rate und Überweisungsdetails für neuen Kredit einrichten
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